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it-sa 2026: Deutschland hat die IT-Kompetenz. Schaffen wir auch die richtigen Rahmenbedingungen?

Meine persönlichen Eindrücke zu Datensouveränität, KI-Regulierung, Energiekosten und der Zukunft unseres IT-Standorts. Deutschland hat kein Kompetenzproblem in der IT. Das ist mein wichtigster Eindruck nach drei Tagen it-sa. Die eigentliche Frage ist, ob wir die Rahmenbedingungen schaffen, um aus dieser Kompetenz dauerhaft Wertschöpfung zu machen.

Yahya OrakWissen aus der Praxis3. November 20268 Min. Lesezeit
Auf einen BlickDas Wichtigste in drei Sätzen
  1. Deutschland hat hervorragende IT-Unternehmen. Das dürfen wir selbstbewusster zeigen.
  2. Datensouveränität ist mehr als ein Serverstandort
  3. KI und Datenschutz: Wir brauchen vor allem mehr Transparenz
PASSENDE LEISTUNGRechenzentrum

Wir waren mit unseren drei Marken 8Solutions Internet Service Provider, PRAEMON und Ai.DOING ganz bewusst als Besucher in Nürnberg, nicht als Aussteller. Wir wollten zuhören, uns mit Herstellern, Partnern und Kollegen austauschen und unsere eigene Positionierung kritisch hinterfragen.

Die it-sa Expo & Congress selbst hat dabei neue Rekorde gesetzt: rund 33.000 Fachbesucher, 1.005 Aussteller und ein Besucherplus von rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Dynamik war in den Hallen deutlich zu spüren.

1. Deutschland hat hervorragende IT-Unternehmen. Das dürfen wir selbstbewusster zeigen.

Beeindruckt hat mich erneut die Kompetenz, die wir in Deutschland bei IT, Cybersecurity, Softwareentwicklung, Hardware und Rechenzentrumsbetrieb haben. Ich habe viele Unternehmen getroffen, die eigene Produkte entwickeln, auf deutsche Infrastruktur setzen, ihre Lösungen selbst betreiben und Datenschutz ernst nehmen.

Auch für unsere Plattform PRAEMON war die Messe eine wertvolle Standortbestimmung. Wer sich intensiv mit anderen Lösungen beschäftigt, sieht schnell, wo unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Unser Ansatz, Monitoring, Security, Inventarisierung und Dokumentation auf einer gemeinsamen, souverän betriebenen Plattform zusammenzuführen, hat sich für mich bestätigt.

Diese Innovationskraft sollten wir stärker sichtbar machen und auch politisch als das behandeln, was sie ist: ein wesentlicher Teil unserer wirtschaftlichen Zukunft.

2. Datensouveränität ist mehr als ein Serverstandort

Gerade bei Lösungen rund um NIS2, DSGVO und Compliance spielen Sicherheit und Vertrauen verständlicherweise eine große Rolle. In einigen Gesprächen hat sich bei genauerem Nachfragen gezeigt, dass Anwendungen auf internationalen Hyperscaler-Plattformen laufen.

Das ist für sich genommen kein Problem. Hyperscaler bieten technisch hervorragende Dienste. Bei sensiblen Anwendungen lohnt es sich aber, genauer hinzuschauen. Der Satz „Unsere Daten liegen in einem Rechenzentrum in Frankfurt“ ist ein guter Anfang, beantwortet aber noch nicht alle Fragen:

 

  • Wer betreibt die Infrastruktur tatsächlich?
  • Welchem Rechtsrahmen unterliegt der Anbieter?
  • Wer hat administrativen Zugriff?
  • Wie wird mit Zugriffsersuchen aus Drittstaaten umgegangen, etwa nach dem US CLOUD Act?

 

Wie offen diese Fragen sind, hat sich wenige Tage nach der Messe beim Digitalgipfel gezeigt. Die deutschen Nachrichtendienste planen eine abgeschottete Cloud auf Basis von Google-Technik. Der Bundeskanzler hält europäische Souveränität auch mit einem amerikanischen Anbieter für möglich. Kritiker verweisen auf Update-Abhängigkeiten und US-Recht. Ich will diese Entscheidung nicht pauschal bewerten, eine vom Internet getrennte Lösung ist technisch etwas anderes als eine Public Cloud. Aber sie zeigt: Wenn selbst auf höchster Ebene unterschiedlich verstanden wird, was souverän bedeutet, brauchen Kunden umso mehr Transparenz darüber, wer was betreibt und kontrolliert.

Ich hätte mir in manchen Gesprächen gewünscht, dass diese Informationen von Anfang an offen auf dem Tisch liegen. Transparenz schafft hier Vertrauen, gerade bei Produkten, die für Sicherheit und Compliance stehen. Viele Aussteller haben genau das vorbildlich gemacht: deutsche Entwicklung, deutsche Infrastruktur, klare Verantwortlichkeiten.

Ein weiterer Punkt hat mich beschäftigt: Als Alternative zur Cloud wird oft Self-Hosting angeboten. Technisch ist das eine gute Option. Viele mittelständische Unternehmen, die wir mit 8Solutions betreuen, haben ihre IT aber bewusst ausgelagert. Ihnen fehlen schlicht Personal und Zeit, komplexe Anwendungen selbst sicher zu betreiben.

Digitale Souveränität muss deshalb auch als vollständig betreute Dienstleistung funktionieren, nicht nur für Unternehmen mit eigener IT-Abteilung.

3. KI und Datenschutz: Wir brauchen vor allem mehr Transparenz

Viele meiner Gespräche drehten sich um künstliche Intelligenz und den EU AI Act. Das Thema beschäftigt mich als Unternehmer mit Ai.DOING und als zertifizierter Datenschutzbeauftragter.

Mehrfach hörte ich den Wunsch nach klaren Regeln, welche Daten Unternehmen in KI-Systeme eingeben dürfen. Die gute Nachricht: Die Grundregeln gibt es seit Mai 2018. Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Datenminimierung, Auftragsverarbeitung, technische und organisatorische Maßnahmen und Drittlandtransfers gelten für KI genauso wie für jede andere Software.

Natürlich bringt KI zusätzliche Fragen mit sich, und der AI Act hat seine Berechtigung. Eine zweite DSGVO unter neuem Namen brauchen wir aber nicht. Was wir viel dringender brauchen, ist überprüfbare Transparenz:

 

  • Woher stammen die Trainingsdaten der Modelle?
  • Wo werden meine Eingaben und Dokumente verarbeitet?
  • Werden Kundendaten für Training oder Weiterentwicklung genutzt?
  • Was passiert nach der Verarbeitung mit den Informationen?
  • Wer hat technisch und organisatorisch Zugriff?
  • Welche Dienstleister und Infrastrukturen sind beteiligt?

 

Der AI Act enthält bereits Transparenzpflichten. Ich wünsche mir, dass die praktische Nachvollziehbarkeit von Datenflüssen und Verantwortlichkeiten noch stärker in den Mittelpunkt rückt. Vertrauen in KI entsteht, wenn Unternehmen verstehen und prüfen können, was mit ihren Daten geschieht.

Genau so denken wir Ai.DOING: KI auf eigener Hardware in Deutschland, klare Datenflüsse und eine Lösung, die Unternehmen nutzen können, ohne selbst KI-Infrastruktur betreiben zu müssen.

4. Strom wird zur Standortfrage für Rechenzentren und KI

Besonders nachdenklich haben mich Gespräche mit Rechenzentrumsbetreibern gemacht, darunter einem, mit dem wir über Colocation sprechen. Dort war von möglichen Aufschlägen von 8 bis 15 Cent pro Kilowattstunde die Rede, bei einem Preisniveau, das mit rund 34-38 Cent ohnehin schon hoch ist. Ob es so kommt, wird sich zeigen. Aus der Luft gegriffen ist es nicht.

Kostenblock:

Wer seinen Strom jetzt neu einkaufen muss, zahlt also deutlich mehr als vor einem Jahr. Im Rechenzentrum kommt ein Faktor hinzu: Jede Kilowattstunde IT-Last braucht zusätzlich Strom für Kühlung und Infrastruktur, im deutschen Schnitt rund 43 Prozent obendrauf (PUE 1,43). Nach meiner groben Überschlagsrechnung werden so aus 5 bis 9 Cent Mehrkosten beim Einkauf schnell 8 bis 13 Cent je IT-Kilowattstunde. Die Zahlen von der Messe sind damit am oberen Rand, aber plausibel.

Strom macht laut Bitkom rund die Hälfte der Betriebskosten eines Rechenzentrums aus. Trotzdem profitieren Rechenzentren weder von der Stromsteuersenkung, die seit Januar 2026 für das produzierende Gewerbe gilt, noch vom Industriestrompreis, den die EU-Kommission genehmigt hat.

Ein Punkt beschäftigt mich besonders: Unser Rechenzentrum bezieht Strom aus Wasserkraft, Wind und Sonne. Ab 2027 müssen alle Rechenzentren ihren Bedarf ohnehin bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Am Preis ändert das wenig. An der Börse bestimmt das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, den Preis für alle, meist ein Gaskraftwerk. Grüner Strom wird so im Ergebnis zum Gaspreis abgerechnet. Das Versprechen von sauberer und günstiger Energie kommt bei uns Verbrauchern bisher nicht an.

Mir ist bewusst, dass das Strommarktdesign europäisch geregelt ist und es gute Gründe für dieses Prinzip gibt. Trotzdem: Wenn Deutschland bei der Energiewende so konsequent einen eigenen Weg geht, sollten Menschen und Unternehmen den Vorteil auch auf ihrer Rechnung sehen. Eine Senkung der Stromsteuer für alle ist angekündigt, aber noch nicht beschlossen. Natürlich spielen dabei auch Steuereinnahmen und Haushaltsfragen eine Rolle. Gerade deshalb wäre sie ein starkes Signal.

Wir können nicht digitale Unabhängigkeit fordern und gleichzeitig die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür vernachlässigen.

5. IT-Infrastruktur verdient denselben Stellenwert wie unsere Industrie

Wir sprechen zu Recht über Automobilindustrie, Produktionsstandorte und Energiepreise. Dabei läuft ohne IT heute keine Produktion mehr, ohne Rechenzentren keine Digitalisierung und ohne Rechenkapazität keine souveräne KI.

Mit der Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung gibt es dafür einen guten Anfang: Bis 2030 sollen sich die Kapazitäten mindestens verdoppeln. Entscheidend wird sein, wie konsequent daraus konkrete Entscheidungen werden.

In Deutschland gibt es hervorragende Entwickler, Datenschutzexperten, Sicherheitsspezialisten und Rechenzentrumsbetreiber. Ich würde mir wünschen, dass dieses Praxiswissen noch stärker in politische Entscheidungen zu KI-Regulierung, Datenschutz und digitaler Infrastruktur einfließt. Regulierung soll schützen, ohne Innovation unnötig zu bremsen.

Mein Fazit

Die it-sa 2026 hat mich positiv überrascht und unseren Weg mit 8Solutions, PRAEMON und Ai.DOING bestärkt. Ich habe engagierte Menschen getroffen, starke Produkte gesehen und viel mitgenommen.

Für die kommenden Jahre sehe ich vier Aufgaben:

 

  1. 1Datensouveränität transparenter denken, über den Serverstandort hinaus.
  2. 2Bei KI zwischen bestehenden Datenschutzpflichten und wirklich neuen Fragen unterscheiden.
  3. 3Das Praxiswissen der IT-Branche stärker in politische Entscheidungen einbinden.
  4. 4Den Betrieb von Rechenzentren und KI-Infrastruktur in Deutschland wirtschaftlich tragfähig halten.

 

Digitale Souveränität entsteht durch Transparenz, Verantwortung und eigene technologische Kompetenz. Dafür sollten wir uns als Branche gemeinsam einsetzen.

Mich interessiert eure Erfahrung: Fragt ihr bei IT-Dienstleistern nach, wer die Infrastruktur tatsächlich betreibt, oder reicht euch „Rechenzentrum in Frankfurt“?

#itsa2026 #DigitaleSouveränität #Rechenzentrum #KünstlicheIntelligenz #Datenschutz

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